Wir treffen in Rauris ein und stehen vor dem Platzwirt. Saskia Hennig von Lange biegt um die Ecke, lächelt, verschwindet im Gebäude. Wir gehen rauf in den ersten Stock, haben alle Platz? Ja, alle sitzen. Nervosität breitet sich aus. Die Autorin und Christa Gürtler nehmen Platz auf der Bühne, direkt vor uns. Das Mikrophon geht an die erste Fragestellerin. Dann eine Einführung. "Fragst du auch etwas?" "Ich weiß nicht, ob ich mich traue..." Dann geht's los. Saskia Hennig von Lange ist sympathisch. Sehr sogar. Sie beantwortet alles mit einem Lächeln. Blickt uns an. Redet weder zu viel, noch zu wenig. Die Nervosität wird weniger, verschwindet schließlich ganz. Alles wird immer mehr zu einem netten Gespräch, weniger zu einer Fragerunde. Die vielen Menschen und die Mikrophone blenden wir aus. Es wird gelacht, die Zeit ist viel zu schnell vorbei. Wir hätten noch einige Fragen, aber die wichtigsten wurden beantwortet.
Die Uni Graz steht schon in den Startlöchern. Platz wechseln, ruhig sein, zuhören. Josef Winkler ist hier der Befragte. Er ist ... anders. Redet länger, beantwortet die Fragen nicht so genau. Driftet ab. Die Studierenden lassen sich aber nicht verunsichern. Respekt dafür!
Noch ein Highlight des Tages: Saskia Hennig von Lange hat unsere Bücher signiert. Für alle von uns das erste Mal.
Wir sind Literaturgroupies!
Freitag, 28. März 2014
Donnerstag, 27. März 2014
KAPITAL.GESELLSCHAFT
K - Konsum
A - Ansehen
P - Politik
I - Intelligenz
T - Tugend
A - Abhängigkeit
L -Literatur
.
G - Geld
E - Eigenkapital
S - Sprache
E - Egoismus
L - Lyrik
L - Luxus
S - Staat
C - Charakter
H - Herrschaft
A - Autor
F - Flexibilität
T - Text
A - Ansehen
P - Politik
I - Intelligenz
T - Tugend
A - Abhängigkeit
L -Literatur
.
G - Geld
E - Eigenkapital
S - Sprache
E - Egoismus
L - Lyrik
L - Luxus
S - Staat
C - Charakter
H - Herrschaft
A - Autor
F - Flexibilität
T - Text
Zauberblätter
Um 18.00 fuhren wir aus St. Veit los um pünktlich in Rauris zu sein. Wir dachten zumindest, es wäre 18.00 gewesen. Nach der Hälfte des Weges haben wir bemerkt, dass die Uhr doch erst am Sonntag umgestellt wird und wir eine Stunde früher losgefahren sind, als geplant. Letztendlich hat sich dieses "Missverständnis" doch als vorteilhaft erwiesen, hätten wir sonst wohl keine Plätze mehr im gut besuchten Gasthof Grimming gefunden ...
Nach der Eröffnung der Rauriser Literaturtage durch den Bürgermeister, führten Ines Schütz und Manfred Mittermayer beginnend mit den Worten "Die Zauberblätter! Ich verstehs nicht recht", einem Zitat Goethes aus dem zweiten Teil des Faust-Dramas in das heurige Motto KAPITAL.GESELLSCHAFT ein.
KAPITAL.GESELLSCHAFT - ein starkes Motto/Wort, das viel Stoff zum Nachdenken gibt. Was ist Kapital? Wie wirkt sich Kapital auf die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft und vor allem auf das literarische Schreiben aus? Auf der Suche nach den Texten, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit diesem Thema auseinandersetzen, seien es sehr realistische Texte oder aber solche, die fast absurd sind, haben die Verantwortlichen diese über den deutschen Sprachraum hinaus erweitert. Wir sind gespannt, was uns die nächsten Tage erwartet ...
Gespannt waren wir vor allem auch auf die Laudatio, geschrieben von Elke Brüns, die leider krankheitsbedingt nicht kommen konnte. Manfred Mittermayer trug diese lobenden Worte in würdiger Vertretung dem Publikum vor.
Im Anschluss begeisterte die diesjährige Preisträgerin Saskia Hennig von Lange mit ihrer rhythmischen, rhetorisch gekonnten Lesung aus ihrem Debüt Alles was draußen ist und öffnete dadurch für uns völlig neue Türen und Sichtweisen auf ihren außerordentlichen Text. Abschließend bewies die sympathische Gewinnerin einmal mehr mit ihren originellen Worten zu Rauris ihr literarisches Können.
- Kathrin Egger
- Katharina Graggaber
- Gina Schönberger
Nach der Eröffnung der Rauriser Literaturtage durch den Bürgermeister, führten Ines Schütz und Manfred Mittermayer beginnend mit den Worten "Die Zauberblätter! Ich verstehs nicht recht", einem Zitat Goethes aus dem zweiten Teil des Faust-Dramas in das heurige Motto KAPITAL.GESELLSCHAFT ein.
KAPITAL.GESELLSCHAFT - ein starkes Motto/Wort, das viel Stoff zum Nachdenken gibt. Was ist Kapital? Wie wirkt sich Kapital auf die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft und vor allem auf das literarische Schreiben aus? Auf der Suche nach den Texten, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit diesem Thema auseinandersetzen, seien es sehr realistische Texte oder aber solche, die fast absurd sind, haben die Verantwortlichen diese über den deutschen Sprachraum hinaus erweitert. Wir sind gespannt, was uns die nächsten Tage erwartet ...
Gespannt waren wir vor allem auch auf die Laudatio, geschrieben von Elke Brüns, die leider krankheitsbedingt nicht kommen konnte. Manfred Mittermayer trug diese lobenden Worte in würdiger Vertretung dem Publikum vor.
Im Anschluss begeisterte die diesjährige Preisträgerin Saskia Hennig von Lange mit ihrer rhythmischen, rhetorisch gekonnten Lesung aus ihrem Debüt Alles was draußen ist und öffnete dadurch für uns völlig neue Türen und Sichtweisen auf ihren außerordentlichen Text. Abschließend bewies die sympathische Gewinnerin einmal mehr mit ihren originellen Worten zu Rauris ihr literarisches Können.
- Kathrin Egger
- Katharina Graggaber
- Gina Schönberger
Montag, 8. April 2013
LiteraturPur die 3.: Der Biss in die Petite Madelaine, von schwarzen und weißen Schafen
Mit einem ganz besonders spannenden Programm
überzeugt der dritte und letzte Literaturabend der diesjährigen Rauriser
Literaturtage.
Von Söhnen, die gegen den dominanten Vater rebellieren, der eines nicht verlieren will: das Land, welches er mit aufgebaut hat; die sich in der Bohéme und dem Intellekt der Jugend verstricken und die sterbenden Eltern schon lange verlassen haben.
Von einer kleinen Schwester, die noch versucht das zu retten, was bereits vor ihrer Zeit zerstört wurde. Und vom Rat, dann abzuschließen, wenn endgültig Ruhe einkehren sollte.
Selbstbewussten Schrittes betritt Peter
Kurzeck als erster der drei vorgesehenen Autoren die Bühne, um aus seinem
autobiographischem Großepos „Das alte Jahrhundert“, an welchem er seit den 90er
Jahren arbeitet, zu lesen. Mittlerweile Band 6 mit dem Titel „Bis er kommt“
erschienen, formt seine angenehme Stimme poetische Worte, die nicht nur das
Publikum im Grimming, sondern auch - mit Hilfe der Videoübertragung - im
Platzwirt, in tiefe Erinnerungen proust´schen Ausmaßes schwelgen lassen. Wie
erinnern wir uns, was sind Erinnerungen tatsächlich und warum glaubt ein Kind
das Lachen der Tiere zu hören? Streifen wir durch die Wälder und blicken den
Zügen am Bahnhof nach, so lange, bis sie endgültig mit dem Horizont
verschmelzen, doch hüten wir uns davor, ihn zu verpassen, sollten wir die Ferne
der Welt bereisen wollen, denn dieser Zeit, sollten es auch nur kurze Minuten
sein, werden wir unser Leben lang hinterher hinken.
Den zweiten, auflockernden Teil bestreitet die
deutsche Radiojournalistin Marion Brasch, die aus ihrem Familienroman „Ab jetzt
ist Ruhe“ liest. Im witzigen, ironischen Ton passt sich ihre Stimme den Figuren
an und lässt den eigenwilligen Geist der DDR im österreichischen Bergort
aufleben.
Eine Familiensippe, von Beginn an dem
Untergang geweiht, Dramatik, Alkohol, Exzesse- die Manns der DDR. Von Söhnen, die gegen den dominanten Vater rebellieren, der eines nicht verlieren will: das Land, welches er mit aufgebaut hat; die sich in der Bohéme und dem Intellekt der Jugend verstricken und die sterbenden Eltern schon lange verlassen haben.
Von einer kleinen Schwester, die noch versucht das zu retten, was bereits vor ihrer Zeit zerstört wurde. Und vom Rat, dann abzuschließen, wenn endgültig Ruhe einkehren sollte.
„Die wahren Helden sind Sie“, so Michael
Köhlmeier beim Betreten der Bühne an das Publikum, „wenn man die Uhrzeit
beachtet!“
In seinem Roman „Die Abenteuer des Joel
Spazierer“ begleitet Köhlmeier die Figur eines modernen Simplicissimus der
ungarischen Nachkriegszeit, ohne Gefühl für Recht und Unrecht, dem gerade
dadurch vergeben wird, weil er nicht um Verzeihung bittet. Mit seiner
einzigartigen Wortgewandtheit lässt er seinen Figuren den Raum, selbst zu
sprechen und zu handeln, sich frei zu entwickeln und ganz nach eigenem Ermessen
die Zuckerdose auszulöffeln. Begleiten wir Joel Spazierer durch die Odyssee
seines lügenhaften, mörderischen Lebens, empfinden wir Mitleid mit einem
Schelm, der keiner sein will, und begeben wir uns auf die Spuren barocker und
zeitgenössischer Literatur, die köhlmeieresk eine Brücke dazwischen findet. Was ein Lächeln hervorruft
(aus dem Gespräch über Kindheit mit Ursula Krechel, Peter Kurzeck und Olga
Martynova)
Peter Kurzeck: „Ich träume jetzt immer noch
davon, ich sei dafür zuständig den Tieren das Lachen beizubringen“
„…Und man geht Milch holen und dann gab es
eine Kinderbeschäftigung, dass man die Milchkanne ohne Deckel einmal dreht“.
„Ich
hatte Freunde als Kind, die mussten in die Kirche gehen und, damit man dann
nach der Kirche was anderes machen kann, bin ich mit in die Kirche gegangen.
[…]Man musste da knien…ich wusste nie, wann das zu Ende ist, und wann man knien
muss“.
„Ich wusste als Kind, ich bin Schriftsteller,
ich kannte nicht mal dieses Wort, das hieß „Dichter“. Ich wusste es waren schon
welche vor mir, mindestens zwei, Goethe und Schiller“.
Olga Martynova: „Meine Eltern waren
tatsächlich viel unterwegs, weil mein Vater Journalist war und Chefredakteur
von irgendeiner Zeitung im Kaukasus, oder in Sibirien, oder hinter dem Nordpol,
wo ich geboren wurde“.
„Ich bin fast in der Ermitage aufgewachsen,
weil dort die Schule war“.
„Ein Kinderautor war beauftragt die Bibel für
Kinder nachzuerzählen, aber mit zwei Bedienungen: es dürfen auf keinem Fall die
Wörter „Gott“ und „Juden“ vorkommen“.
-
Anna Kuzmenko
Wortlandstreicher
Auf den Lyriknachmittag waren wir schon gespannt. Zwar
hatten sich unsere Gehirne in den letzten Tagen wie Schwämme mit Literatur vollgesogen
und die Ausnahmebereitschaft verringert, dennoch schien ein wenig Lyrik eine
willkommene Abwechslung zu den sonstigen Prosavorträgen.
Olga Martynova, die beim Gespräch über die Kindheit
bereits ihre deutsche Prosa vorgetragen hatte, las nun ihrer auf Russisch
verfassten Gedichte, die danach von Elke Erb auf Deutsch gelesen wurden.
Olga Martynova zwitscherte etwas von Tschwirik und
Tschwirka, deren Bedeutung wir trotz deutscher Übersetzung nicht erahnen
konnten. Waren sie nun Fabelwesen, oder Vögel, oder ganz etwas anderes. Auf
jeden Fall hatten sie scheinbar etwas
mit der Zeit, dem Krieg und generell mit dem Leben zu tun.
So wenig fassbar Martynovas Gedichte schienen, so
unfassbarer war die musikalische Untermalung (erneut von Fritz Moßhammer). (An
dieser Stelle möchten wir uns jeglichen Kommentaren entziehen.)
Elke Erbs Gedichte gestalteten sich nicht weniger
verwirrend, wir waren aber der allgemeinen Meinung, dass es sicherlich
einfacher und verständlicher wäre, hätte man ihre Gedichte vor sich auf einem
Blatt. In jedem Falle ist Erbs Lyrik für den Leser bestimmt ergiebiger, als für
den Zuhörer.
Zuletzt las Ludwig Hartinger, der leider am Tag zu vor in
der Schreibwerkstatt seine Rolle als Moderator etwas missinterpretiert hatte.
Hartinger las auf Slowenisch und auf Deutsch aus seiner
Gedichtsreihe Kehrwasser.Seine Gedichte sind leise und schärfen denn Sinn. Wir fühlten uns in seiner metaphernreichen und bildhaften Poesie zuhause und ließen uns für eine Weile auf den Wellen der Worte treiben.
„Als Kind kommen einen die schlechten Zeiten gar nicht so schlecht vor“
Literarische Räume sind eng mit geographischen Räumen
verknüpft. Auf ganz unterschiedliche Arten haben die drei Autoren Ursula
Krechel, Peter Kurzeck und Olga
Martynova Orte und Erlebnisse ihrer Kindheit in ihren Werken verarbeitet und
geben in einem Gespräch mit Brita Steinwendtner Einblicke in ihre Lebens.Wege.
Dichtung ist immer auch verdichtete Wirklichkeit. Das, was einen geprägt hat, findet seinen eigenen, selbstständigen Raum am Papier.
Steinwendtner sprach auch mit der in Trier geborgenen Ursula Krechel, die in ihren Werk zwar über das Kindsein und Großwerden schreibt, ihre eigenen Erinnerungen an ihre Kindheit in der Nachkriegszeit jedoch selten in ihre Texte einfließen lässt.
Olga Martynova sprach ebenfalls vom Aufwachsen in der Fremde. Geboren wurde die Schriftstellerin in Sibirien und das ständige Umziehen mit der Familie prägt sie und ihr Werk.
Dichtung ist immer auch verdichtete Wirklichkeit. Das, was einen geprägt hat, findet seinen eigenen, selbstständigen Raum am Papier.
Peter Kurzeck ist dabei jemand, der recht viel Raum
benötigt um seinen Gedanken und Kindheitserinnerungen Platz zu schaffen. In 12
Bänden, jeder einzelner davon ähnlich dick, wie ein Brockhausexemplar, berichtet
er über sein Leben. Fünf Bücher sind bereits erschienen. Fraglich ist, ob der
1943 geborene Autor noch 7 weitere Bände in diesem Ausmaß so locker aus dem Handgelenk schreibt. Auch wenn ich persönlich die
Lebensgeschichte Kurzecks, die das Ausmaß Leo Tolstois Gesamtwerkes zu haben
scheint, nicht lesen würde (dafür stehen schon zu viele andere lesenswerte
Bücher auf meiner Liste), so wünsche ich dem Schriftsteller doch viel Glück mit
seinem Projekt.
Kurzeck schreibt auf sehr anschauliche und flüssige Weise
über seine Kindheitserfahrungen nach der Flucht seiner Familie im Krieg in das
kleine Dorf Stauffenberg. Er erklärt, wie er oft das Gefühl hatte, die Gedanken
der Tiere zu hören, wie sich das Dorf in den Jahren verändert hat, und dass er
schon als Kind wusste, dass er ein Schriftsteller ist.Steinwendtner sprach auch mit der in Trier geborgenen Ursula Krechel, die in ihren Werk zwar über das Kindsein und Großwerden schreibt, ihre eigenen Erinnerungen an ihre Kindheit in der Nachkriegszeit jedoch selten in ihre Texte einfließen lässt.
Olga Martynova sprach ebenfalls vom Aufwachsen in der Fremde. Geboren wurde die Schriftstellerin in Sibirien und das ständige Umziehen mit der Familie prägt sie und ihr Werk.
Alle Autoren haben die Nachkriegszeit am eigenen Leibe
erfahren und mussten sich schon früh mit
der Fremde, bzw. dem Fremdsein auseinandersetzen.
Die Erinnerung an die Kindheit ist auch immer eine Abstraktion
und Konstruktion der Geschehnisse. Man erinnert sich ein Leben lang an die
Dinge die waren und schreibt seine eigene Geschichte immer wieder neu.
Die Erinnerung ist somit auch die subjektive Niederschrift
des eigenen Lebensweges.
Sonntag, 7. April 2013
Rauris meets Justin Bieber
Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm (die
second mouse sei hier einmal außer
Acht gelassen). In Rauris schaut allerdings selbst der verfrühte Vogel ganz
schön dumm aus der Wäsche, wenn es darum geht, sich ein Nest zu suchen.
Es ist Freitag, die Zeiger zeigen 16.55 Uhr an. Noch zwanzig Minuten, bevor der Gasthof Grimming seine Pforten öffnet. Noch zwei Stunden und fünf Minuten, bis die Lesungen beginnen. Wer so früh dran ist wie wir, wird bestimmt einen guten Platz im Gasthof ergattern.
Oder?
Während es bei der Eröffnungsfeier zwar etwas eng herging, aber zumindest eine gewisse Ellenbogen- und Atemfreiheit herrschte, fühlt man sich heute weniger an die Rauriser Literaturtage, sondern mehr an ein Justin-Bieber-Konzert erinnert. Statt hyperventilierender Teenies, blockieren die älteren Literaturfans sämtliche Eingänge, Ausgänge und Fluchtwege. Sogar auf der Straße stehen sie so dicht gedrängt, dass alle Autofahrer, die vorbei wollen, im Schritttempo fahren und warten müssen, bis ihnen ein Platz freigemacht wird. Wir werden etwas nervös. Aber wir sind gut positioniert, zwei Studenten an diesem Eingang, zwei am anderen. Wir werden einen guten Platz im Gasthof ergattern.
Doch beim Öffnen der Türen zeigt sich, wie fit die Rentner im rustikalen Rauris tatsächlich noch sind. Vergessen sind Kurzatmigkeit, Bandscheibenvorfälle und andere Wehwehchen. Die Kreativität, die an den Tag gelegt wird, um doch noch an einen Sessel zu gelangen, kennt keine Grenzen. Ellenbogen werden zu Waffen, und man trifft den einen oder anderen Gollum, der seinen Schatz verteidigt. Wer hat eigentlich je behauptet, nach der Pensionierung habe man (genug) Zeit? Aber da, da vorne, da ist noch etwas frei! Diese Plätze holen wir uns.
Doch die Hoffnung ist vergebens. Was da wie eine Oase in der Wüste wirkt, die man nach einem irrwitzigen Lauf über den Treibsand erreicht, erweist sich doch als Fata Morgana. Wie Badetücher auf Strandliegen zerstören weiße Zettel mit der Aufschrift Reserviert jegliche Hoffnung. Da bleiben einem zunächst nur der Rückzug zur Leinwand im Platzwirt und der Griff zur Speisekarte. Und als letzte Möglichkeit bietet es sich noch immer an, die deutsche Literatur gegen die englische einzutauschen – ab ins Shakesbeer.
Es ist Freitag, die Zeiger zeigen 16.55 Uhr an. Noch zwanzig Minuten, bevor der Gasthof Grimming seine Pforten öffnet. Noch zwei Stunden und fünf Minuten, bis die Lesungen beginnen. Wer so früh dran ist wie wir, wird bestimmt einen guten Platz im Gasthof ergattern.
Oder?
Während es bei der Eröffnungsfeier zwar etwas eng herging, aber zumindest eine gewisse Ellenbogen- und Atemfreiheit herrschte, fühlt man sich heute weniger an die Rauriser Literaturtage, sondern mehr an ein Justin-Bieber-Konzert erinnert. Statt hyperventilierender Teenies, blockieren die älteren Literaturfans sämtliche Eingänge, Ausgänge und Fluchtwege. Sogar auf der Straße stehen sie so dicht gedrängt, dass alle Autofahrer, die vorbei wollen, im Schritttempo fahren und warten müssen, bis ihnen ein Platz freigemacht wird. Wir werden etwas nervös. Aber wir sind gut positioniert, zwei Studenten an diesem Eingang, zwei am anderen. Wir werden einen guten Platz im Gasthof ergattern.
Doch beim Öffnen der Türen zeigt sich, wie fit die Rentner im rustikalen Rauris tatsächlich noch sind. Vergessen sind Kurzatmigkeit, Bandscheibenvorfälle und andere Wehwehchen. Die Kreativität, die an den Tag gelegt wird, um doch noch an einen Sessel zu gelangen, kennt keine Grenzen. Ellenbogen werden zu Waffen, und man trifft den einen oder anderen Gollum, der seinen Schatz verteidigt. Wer hat eigentlich je behauptet, nach der Pensionierung habe man (genug) Zeit? Aber da, da vorne, da ist noch etwas frei! Diese Plätze holen wir uns.
Doch die Hoffnung ist vergebens. Was da wie eine Oase in der Wüste wirkt, die man nach einem irrwitzigen Lauf über den Treibsand erreicht, erweist sich doch als Fata Morgana. Wie Badetücher auf Strandliegen zerstören weiße Zettel mit der Aufschrift Reserviert jegliche Hoffnung. Da bleiben einem zunächst nur der Rückzug zur Leinwand im Platzwirt und der Griff zur Speisekarte. Und als letzte Möglichkeit bietet es sich noch immer an, die deutsche Literatur gegen die englische einzutauschen – ab ins Shakesbeer.
-
Nicole Perner
Samstag, 6. April 2013
LiteraPUR die 2.: Altersschwäche, Sprachartistin, fremde Heimat
Den Anfang des heutigen
Lektüreabends macht Walter Kappacher. Er liest aus seinem 2009
erschienen Werk "Der Fliegenpalast" in dem es um das Leben
Hugo von Hoffmannsthals geht. Manfred Mittermayer spricht in seiner
Moderation darüber, dass nicht jeder Lebenslauf glatt und wie an
einer Schnur verlaufe. Er spricht von "gebrochenen
Lebensläufen". Kappacher wendet sich in seinem Roman einem
Lebensabschnitt Hoffmannsthals zu (im Roman als "H."
bezeichnet), über den nur wenig bekannt ist. In dieser kurzen
"Biografie", wenn man sie als solche bezeichnen kann,
schreibt Kappacher über den alternden, gebrechtlichen H..
Im Text fährt H. nach Bad Fusch, einen kleinen Kurort im salzburgischen Pinzgau, in dem er viel Zeit in seiner Jugend verbracht hat. Kappacher gibt Einblick in einen Phase H.s wo ihn diese Keativität scheinbar verlassen hat. Er erleidet einen Schwächeanfall und verbringt seine Sommerfrische in Bad Fusch im Bett. Der Text ist schwerfällig und wird, wie für Kappacher so typisch, nüchtern und emotionslos geschildert.
Der Autor verlässt nach Beendnigung seiner Lesung sang- ung klanglos die Bühne.
In der Mitte dieses "Lesungssandwiches"- bestehend aus drei Autoren- befindet sich Zsuzsanna Gahse. Die in der Schweiz lebende und in Budapest aufgewachsene Autorin liest aus ihrem Buch das den ungewöhnlichen Titel "Südsudelbuch" trägt. Im Zentrum der Erzählung steht die Reise: "Alles ist in Bewegung". Die Protagonistin reist nach Granada, um Hinweise über ihren verstorbenen Großvater zu bekommen.
Gahse beweist sich als große Sprachartistin. Auf gelungene Art und Weise vergleicht sie in ihrem Text verschiedenste Sprachen und erklärt humorvoll die Auswirkungen verschiedener Aussprachen auf Gemüt und Gesichtsform.
Zuletzt liest Urusla Krechel aus ihrem Werk "Landgericht" (2012). Sie beschreibt die verworrene Geschichte zweier Familien. Die Kinder der jüdischen Familie Kornitzer werden, um den Krieg sicher zu überstehen, nach England zu einer Pflegefamilie gebracht. Krechel behandelt in ihrem Roman auf empathische, jedoch keineswegs kitschige Weise die Problematik eines Exildarseins aus einem komplett neuem Blickwinkel. In "Landgericht" thematisiert die Autorin die Schwierigkeiten, die die Rückkehr eines Exilanten in die ehemalige Heimat mit sich bringt.
-
Im Text fährt H. nach Bad Fusch, einen kleinen Kurort im salzburgischen Pinzgau, in dem er viel Zeit in seiner Jugend verbracht hat. Kappacher gibt Einblick in einen Phase H.s wo ihn diese Keativität scheinbar verlassen hat. Er erleidet einen Schwächeanfall und verbringt seine Sommerfrische in Bad Fusch im Bett. Der Text ist schwerfällig und wird, wie für Kappacher so typisch, nüchtern und emotionslos geschildert.
Der Autor verlässt nach Beendnigung seiner Lesung sang- ung klanglos die Bühne.
In der Mitte dieses "Lesungssandwiches"- bestehend aus drei Autoren- befindet sich Zsuzsanna Gahse. Die in der Schweiz lebende und in Budapest aufgewachsene Autorin liest aus ihrem Buch das den ungewöhnlichen Titel "Südsudelbuch" trägt. Im Zentrum der Erzählung steht die Reise: "Alles ist in Bewegung". Die Protagonistin reist nach Granada, um Hinweise über ihren verstorbenen Großvater zu bekommen.
Gahse beweist sich als große Sprachartistin. Auf gelungene Art und Weise vergleicht sie in ihrem Text verschiedenste Sprachen und erklärt humorvoll die Auswirkungen verschiedener Aussprachen auf Gemüt und Gesichtsform.
Zuletzt liest Urusla Krechel aus ihrem Werk "Landgericht" (2012). Sie beschreibt die verworrene Geschichte zweier Familien. Die Kinder der jüdischen Familie Kornitzer werden, um den Krieg sicher zu überstehen, nach England zu einer Pflegefamilie gebracht. Krechel behandelt in ihrem Roman auf empathische, jedoch keineswegs kitschige Weise die Problematik eines Exildarseins aus einem komplett neuem Blickwinkel. In "Landgericht" thematisiert die Autorin die Schwierigkeiten, die die Rückkehr eines Exilanten in die ehemalige Heimat mit sich bringt.
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Peter Dammayr
Bildgeschichte
"Das Schreiben ist
nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Handwerk"
Mit diesen Worten stellte
Ludwig Hartinger die Rauriser Schreibwerkstatt vor.
Eine Gruppe von
Raurisern/Innen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Bild und Wort
zusammenzubringen. Zu ausgewählten Schwarzweiß-Fotografien von Kurt
Kaindl wurden Kurzgeschichten verfasst. Die Fotografien sind unter
dem Titel "Aus Rauris 1982-83" im Voglmaierhaus ausgestellt
und zeigen auf ausdrucksstarke Weise Personen und Landschaften aus
Rauris.
"Das Bild ist die
Kindheit des Wortes, denn ein Kind zeigt zuerst auf ein Bild und dann
erfährt es das Wort dafür." erklärt Hartinger mit seinen
poetischen Worten und übergibt den Raurisern/Innen das Wort.Die Texte waren teils ambitioniert, teils überladen und zu wenig durchdacht. Man wusste das Engagement Rauriser Hausfrauen zu würdigen, wurde von mancher Geschichte angenehm überrascht und hatte doch Gefallen daran, dass so viele Menschen sich gerne mit Literatur beschäftigen, bzw. versuchen diese zu schaffen.
Weniger wohlwollend wurde die teils ungerechtfertigte Kritik seitens der Moderation aufgenommen. Hartinger schweifte häufig zwischen den Texten der Rauriser/Innen ab und vermittelte den Eindruck seine Rolle als Moderator missverstanden zu haben.
Freitag, 5. April 2013
Autoren.Wege
In spontaner Planung organisierten sie gestern und heute Vormittag ein Gespräch mit Dr. Manfred Mittermayer über biographisches Schreiben im Generellen und im Speziellen auf Amanns Werk.
In verworrenen Hölderlin- Versen als Einleitung nahmen sie nicht nur Bezug auf Amanns „Wohin denn wir“, sondern stimmten das Publikum auch in Gespräche über Lebenswege, Autobiographie, Fremdbiographie, Fiktion und Realität ein.
Der literaturversierte, belesene Herr Dr. Mittermayer erzählte mit bewundernder Leichtigkeit und Natürlichkeit von seinem Spezialgebiet der Biographieforschung und beeindruckte das gesamte Publikum mit Fakten und Tatsachen, die direkt aus der Literatur in das Leben gegriffen schienen und verwies augenblicklich auf die Krankheit der Germanisten, die Persönlichkeit des Autors in dessen Werk fassen zu wollen. Mit der Vorstellung zweier weiterer Werke Amanns u.a. „Der Kommandant. Monolog“ und einer hitzigen literaturwissenschaftlichen Diskussion darüber, zog sich das Programm eine halbe Stunde über die vorgesehene Zeit hinaus und riss das Publikum in die fernen Welten der Kafkas, Walsers, Hölderlins und Hegels.
Lesetipp
Aus dem Gespräch mit Marion Brasch
Im ihrem Roman erzählt Frau Brasch von Leben ihrer fabelhaften Familie in dem Land, das es nicht mehr gibt (DDR), von ihrem Lebensweg und von ihren Brüdern, die sie bewundert hat, denn sie waren alle künstlerisch sehr begabt und wussten was sie wollten. „Und ich…wusste nicht immer was ich wollte, ich habe mich immer eher treiben lassen“ – sagte Marion Brasch.
Alle Figuren im Roman haben ihre echten Namen und das macht ihn sehr biographisch. „Ich wollte den Figuren keine anderen Namen geben, denn es wäre mir dann fremd gewesen“.
Ob sich Marion Brasch als Künstlerin fühlt nachdem sie ihr Buch zu Ende gebracht hat?
Nein. Sie fühlt sich noch weit entfernt davon, sich eine Künstlerin zu nennen. Weder Künstlerin noch Schriftstellerin, sondern Schriftsetzerin hat sich Marion Brasch sehr bescheiden genannt.
„Ich würde auch nicht sagen, ich bin Schriftstellerin“
Mit einer besonders kreativen Inszenierung des Gesprächs
mit Marion Brasch überraschte heute die Arbeitsgruppe der Universität
Klagenfurt. Inspiriert durch die journalistische Arbeit ihrer
Interviewpartnerin gestalteten sie das Gespräch nach deren Sendung „Radio eins
mit Marion Brasch“. So konnte Brasch nach einer kurzen Einführungsphase Nummern
zwischen 1 und 71 wählen, die jeweils für eine Frage standen, die dann
wahrheitsgemäß beantwortet werden sollten. So sprach sie über saftige und faule
Früchte der DDR, den blühenden Garten Berlins, ihre Familiengeschichte, die sie
in ihrem Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ thematisiert und für die Generation ihrer
Tochter geschrieben hat. Mit dem Aufruf zur Nummer 47, lächelndes Aufatmen der
Studierenden, fielen sie sogleich in einstimmigen Gesang, um die Stimmung
aufzulockern.
LiteraPUR die 1.: Judenflucht, Arbeitslose und Philosophen-Pop
Am späten Nachmittag bezwangen wir die Rauriser Berge und
machten uns mit der Gondel auf den Weg zur Heimalm. Zum ersten Mal seit unserer
Ankunft in Rauris hatten wir das Gefühl, einmal recht früh dran zu sein, wurden
jedoch schnell eines Besseren belehrt, da wir in der Almhütte bereits von einer
Masse literaturinteressierter und gut
frisierter Menschen erwartet wurden. Ähnlich wie Ölsardinen quetschten wir uns
zwischen die Bänke und Rotwein drängte sich uns als der einzig plausible
Stimmungsheber auf.
Nach einführenden Worten und der Vorstellung des Wahlinnsbruckers startete dieser mit der Lesung aus seinem neuen Roman „Die zweit Fremde“. Ganz im Zeichen der Lebenswege erzählt Bauer über sein Projekt mit anderen Künstlern. Zusammen haben sie diverse Interviews mit Juden geführt, die 1938 von Innsbruck nach England flohen. Dabei, so verweist Bauer, handle es sich nicht um eine Reise in die Vergangenheit, sondern vielmehr in die Gegenwart. Tirol war für diese Personen die zweite Fremde geworden. Es stellt sich die Frage was Heimat wirklich bedeutet. Ist sie ein Geruch, ein Punkt auf der Landkarte oder das, was wir nur erkennen, wenn wir es bereits verloren haben?
Freudig wurde jedoch die Jause und das Gläschen Rotwein aufgenommen, dass den Literaturliebhabern, vom Almwirt spendiert wurde.
Im Text schildert sie das Leben von Maria Beerenberger, einer Langzeitarbeitslosen und wie diese immer mehr in der Isolation versinkt und keinen Anschluss an die Gesellschaft mehr findet.
Die Innovation des Buches liegt darin, dass Weidenholzer mit dem 54. Kapitel, sprich mit der bereits seit 2 Jahren arbeitslosen und völlig frustrierten Protagonistin beginnt. Man liest den Roman von hinten nach vorne, sprich das letzte Kapitel ist gleichzeitig das erste, welches Maria noch als fröhliche und integrierte Frau zeigt.
Die Autorin beweist sprachliches und psychologisches Feingefühl und weiß mit Worten umzugehen. Ihre Sätze sind einfühlsam und lebensnah, wirken federleicht und in der Tiefe ihrer Bedeutung doch ganz schwer.
Die Lektüre dieses Buches kann man nur weiterempfehlen. Weidenholzer zeigt sich als ganz große Artistin der stillen, empathischen Töne.
Realität und Fiktion die aufeinander treffen und Idealismus der alles eint.
Persönlich war dieser Text eine literarische Offenbarung und auch, wenn die Konzentration der Meisten bereits unter den tropischen Temperaturen im Raum litt, so gilt es dennoch Amann als großen Literaten zu würdigen und seine Texte weiter zu empfehlen.
Ganz untypisch die akademische Viertelstunde ignorierend,
startete Dr. Manfred Mittermayer mit dem Programm.
Als ersten Programmpunkt betrat Christoph W. Bauer die
Bühne. Nach einführenden Worten und der Vorstellung des Wahlinnsbruckers startete dieser mit der Lesung aus seinem neuen Roman „Die zweit Fremde“. Ganz im Zeichen der Lebenswege erzählt Bauer über sein Projekt mit anderen Künstlern. Zusammen haben sie diverse Interviews mit Juden geführt, die 1938 von Innsbruck nach England flohen. Dabei, so verweist Bauer, handle es sich nicht um eine Reise in die Vergangenheit, sondern vielmehr in die Gegenwart. Tirol war für diese Personen die zweite Fremde geworden. Es stellt sich die Frage was Heimat wirklich bedeutet. Ist sie ein Geruch, ein Punkt auf der Landkarte oder das, was wir nur erkennen, wenn wir es bereits verloren haben?
Zur Überbrückung der Pause wurde uns eine recht
individuelle Musikinterpretation dargeboten. Diese erinnerte an eine
australisch-orientalisch postmoderne Volksjodlerei und wurde mit gemischten
Gefühlen aufgenommen.
„Wos hot denn dea eigworfn?“ wurde mir ins Ohr getuschelt
und ich konnte ein schelmisches Grinsen in mein Weinglas hinein nicht
unterdrücken. Doch vielleicht war diese Darbietung einfach zu avantgardistisch
für uns.Freudig wurde jedoch die Jause und das Gläschen Rotwein aufgenommen, dass den Literaturliebhabern, vom Almwirt spendiert wurde.
Als nächster Punkt stand Anna Weidenholzer am Programm.
Die ambitionierte, 29-Jahre junge Autorin las aus ihren
Roman „Der Winter tut den Fischen gut“.Im Text schildert sie das Leben von Maria Beerenberger, einer Langzeitarbeitslosen und wie diese immer mehr in der Isolation versinkt und keinen Anschluss an die Gesellschaft mehr findet.
Die Innovation des Buches liegt darin, dass Weidenholzer mit dem 54. Kapitel, sprich mit der bereits seit 2 Jahren arbeitslosen und völlig frustrierten Protagonistin beginnt. Man liest den Roman von hinten nach vorne, sprich das letzte Kapitel ist gleichzeitig das erste, welches Maria noch als fröhliche und integrierte Frau zeigt.
Die Autorin beweist sprachliches und psychologisches Feingefühl und weiß mit Worten umzugehen. Ihre Sätze sind einfühlsam und lebensnah, wirken federleicht und in der Tiefe ihrer Bedeutung doch ganz schwer.
Die Lektüre dieses Buches kann man nur weiterempfehlen. Weidenholzer zeigt sich als ganz große Artistin der stillen, empathischen Töne.
Nach erneuter musikalischer Beglückung kam man zum
letzten Programmpunkt dieser Powerlesung.
Jürg Amann konnte aus gesundheitlichen Gründen leider an
dieser Lesung nicht teilnehmen, dennoch ermöglichten Ines Schütz und Günther
Stocker (Leiter der Arbeitsgruppe Uni Wien)einen Einblick in dessen Roman
„Wohin denn wir“.
Jürg Amann vereint in seinem Werk auf überaus
künstlerische und durchdachte Weise Lebenswege, die sich durch zwei Epochen
trennen. Er beschreibt das Leben Hölderlins, Schellings und Hegels als
Studenten und das dreier junger Studenten, die 1969 aus der Provinz nach Berlin
ziehen.Realität und Fiktion die aufeinander treffen und Idealismus der alles eint.
Persönlich war dieser Text eine literarische Offenbarung und auch, wenn die Konzentration der Meisten bereits unter den tropischen Temperaturen im Raum litt, so gilt es dennoch Amann als großen Literaten zu würdigen und seine Texte weiter zu empfehlen.
Hell über die Hölle
Schaurig schön gestaltete sich die Atmosphäre, in der Bodo Hell, der vor 43 Jahren der erste Rauriser Literaturpreisträger gewesen war, zur Rauriser Mitternacht las.
Hell gab diverse Nachrufe und poetische Reime in der Michaelskapelle zum Besten und führte gekonnt durch die Nacht.
"erbarmet euch meiner / wenigstens ihr /
meine Freunde
unten ist viel Platz
doch zugleich herrscht seit langem / sowohl unter
dem Wasen als auch hinter dem Rücken der
Überlebenden / in jüngster und fernerer
Vergangenheit großes Gedränge / wobei in der
real verfälschten Erinnerung / auch für schiere
flash-backs / nur ein unziemlich knapp bemessener
VorstellungsRaum zur Verfügung steht"
Hell gab diverse Nachrufe und poetische Reime in der Michaelskapelle zum Besten und führte gekonnt durch die Nacht.
"erbarmet euch meiner / wenigstens ihr /
meine Freunde
unten ist viel Platz
doch zugleich herrscht seit langem / sowohl unter
dem Wasen als auch hinter dem Rücken der
Überlebenden / in jüngster und fernerer
Vergangenheit großes Gedränge / wobei in der
real verfälschten Erinnerung / auch für schiere
flash-backs / nur ein unziemlich knapp bemessener
VorstellungsRaum zur Verfügung steht"
Aus dem Knäuel das Reh
Der Rauriser Förderungspreis wurde dieses Jahr an Renate
Silberer vergeben, die in ihrem Text „Linie Linkshand sucht das Reh“ auf äußerst
kreative und komplexe Weise versucht, die ineinander verknoteten Fäden einer Familiengeschichte
zu entwirren. Der Text gestaltet sich als fragmentarisch und abstrakt. Es ist
schwierig sich zwischen den Zeilen zu Recht zu finden, nicht zu Letzt durch die
äußerst verworrene Metatextualität.
Ich komme her hänge Bilder an die Wand versuche.
Das Haus kennenzulernen die Gegenstände.
Das Bleibende.
Ist es der Blick beim Öffnen der Tür ist es die
Bewegung das Ausschneiden Zusammenfügen
Kleben.“
Wir empfehlen den Text in der April-Ausgabe der
Literaturzeitschrift „Salz“ zu lesen, um einen besseren Einblick in Silberers
Werk zu erhalten.
Anbei zur Einstimmung nur ein paar kurze Zeilen aus ihrem
Text:
„ Ich habe keine Erinnerung.
Das Haus ist mir fern.Ich komme her hänge Bilder an die Wand versuche.
Das Haus kennenzulernen die Gegenstände.
Das Bleibende.
Ist es der Blick beim Öffnen der Tür ist es die
Bewegung das Ausschneiden Zusammenfügen
Kleben.“
Donnerstag, 4. April 2013
Gabis Bauernweisheiten
Ein neues literarisches Rechercheverfahren hat sich als ergiebig
erwiesen: Lesen ist gut, Blättern ist besser (und vor allem viel zeitsparender).
So haben sich bereits beim halbstündigen Durchblättern von Matthias Senkels Debütroman „Frühe Vögel“ folgenschwere Schlussfolgerungen ergeben.
Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm, ob sich diese Binsenweisheit jedoch auch auf die Luft- und Raumfahrtstechnik ausweiten lässt, ist fraglich. So folgt man doch besser erstmals dem Motto „the secound mouse gets the cheese“ und wartet als Schriftsteller geduldig darauf, bis der Rest der Autorenschaft gelobt wurde, um dann doch noch als der wichtigste Preisträger genannt zu werden.
Welchen Glauben man dabei dem WorldWideWeb schenken will und wie tief die Recherche gehen soll, sei jedem Redner jedoch selbst überlassen.
Kommt es beim Schreiben der Rede doch zu unerwartet langen Sitzungen, so sind wir gerne zu beratenden Gesprächen bereit, um weitere Malheurs dieser Art zu vermeiden.
Bekanntlich ist Sprechen Silber und Schweigen Gold.
Für alle weiteren ambitionierten Redner darum der Rat zukünftig das Iphone mal wegzustecken und wieder saubere Literaturrecherche zu betreiben. Denn dann können auch die Autoren wieder aufatmen und getrost doppeldeutige Titel ihren Romanen voran stellen.
Auf diesem Wege wünschen wir dem Autor viel Glück für Preise, die er bereits kassiert hat und raten ihm, sich keinen Bären aufbinden zu lassen.
-
Susanne Rettenwander & Stefanie Pirker
So haben sich bereits beim halbstündigen Durchblättern von Matthias Senkels Debütroman „Frühe Vögel“ folgenschwere Schlussfolgerungen ergeben.
Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm, ob sich diese Binsenweisheit jedoch auch auf die Luft- und Raumfahrtstechnik ausweiten lässt, ist fraglich. So folgt man doch besser erstmals dem Motto „the secound mouse gets the cheese“ und wartet als Schriftsteller geduldig darauf, bis der Rest der Autorenschaft gelobt wurde, um dann doch noch als der wichtigste Preisträger genannt zu werden.
Neuerdings ist man sich in Rauris auch darüber im Klaren,
dass Iphone und Ipad bereits früh ins Gendergeschäft eingestiegen sind und ihr „i“
gnädiger Weise dem genderbewussten Germanisten zur Verfügung stellen.
Die Individualität bewahrt sich in diesem Falle nur der
Apple-Produkt-Besitzer, der mit den neuesten Apps jederzeit die aktuellsten
News aus dem Bereich des Literaturbetriebs downloaden kann und somit immer up-to-date
für allerorts passende Reden ausgerüstet ist. Welchen Glauben man dabei dem WorldWideWeb schenken will und wie tief die Recherche gehen soll, sei jedem Redner jedoch selbst überlassen.
Kommt es beim Schreiben der Rede doch zu unerwartet langen Sitzungen, so sind wir gerne zu beratenden Gesprächen bereit, um weitere Malheurs dieser Art zu vermeiden.
Bekanntlich ist Sprechen Silber und Schweigen Gold.
Für alle weiteren ambitionierten Redner darum der Rat zukünftig das Iphone mal wegzustecken und wieder saubere Literaturrecherche zu betreiben. Denn dann können auch die Autoren wieder aufatmen und getrost doppeldeutige Titel ihren Romanen voran stellen.
Auf diesem Wege wünschen wir dem Autor viel Glück für Preise, die er bereits kassiert hat und raten ihm, sich keinen Bären aufbinden zu lassen.
-
Susanne Rettenwander & Stefanie Pirker
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